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She Said

Großer Journalismusthriller über die beiden New-York-Times-Reporterinnen, die Harvey Weinstein zu Fall brachten.

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(Bild: Universal)
Verleih Universal
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA 2022
Regie Maria Schrader
Darsteller Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson
Kinostart 08.12.2022
Boxoffice USA $ 4.349.740
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nach oben Ausführliche Besprechung

Großer Journalismusthriller über die beiden New-York-Times-Reporterinnen, die Harvey Weinstein zu Fall brachten.

Wer einen Thriller dreht über investigativen Journalismus, wird sich unweigerlich, ungeachtet seines eigentlichen Themas, vergleichen lassen müssen mit "Die Unbestechlichen" von Alan J. Pakula aus dem Jahr 1976 über die Recherchen von Woodward und Bernstein zur Watergate-Affäre, der ultimative Paranoiathriller seines Jahrzehnts, und Thomas McCarthys "Spotlight" über einen vom Investigativteam des Boston Globe aufgedeckten Kindermissbrauchsskandals der Katholischen Kirche, der fast vier Jahrzehnte später den Oscar als bester Film gewinnen konnte. "She Said" weiß um die Vorbilder, nennt ihren Einfluss sogar explizit im Pressematerial. Aber das ist ein Ablenkungsmanöver, eine kluge Taktik, um sich abzusichern: Wir haben, sagen die Macher, einen Film gemacht über die beiden Journalistinnen der New York Times, Jodi Kantor und Megan Twohey, deren am 5. Oktober 2017 veröffentlichter epochaler Enthüllungsartikel den Hollywoodmogul Harvey Weinstein zu Fall und die #MeToo-Bewegung ins Rollen brachte, und es ist ein Film, der in der Liga der Klassiker mitspielt. Dabei ist genau nicht entscheidend, ob Maria Schraders erste für ein Hollywoodstudio entstandene Regiearbeit so gemacht ist wie die Vorbilder. Entscheidend ist, was er anders macht. Das macht "She Said" besonders. Und herausragend. Weil hier alles dabei ist, was man sich von einem Journalismusthriller erwartet, die Suche nach Wahrheit, das Fahnden nach Zeugen, nach der entscheidenden Bestätigung der Vorwürfe, die langen Nächte allein am Schreibtisch, die Zweifel und Verzweiflung, der wachsende Druck von außen, die Bedrohung, die aufrechte Hartnäckigkeit.

Und doch ist es ein ganz anderer Film geworden als "Die Unbestechlichen" und "Spotlight", ein Enthüllungskrimi mit einem anderen Blick und Ton, der auf seine bestechende und unbestechliche Weise zeigt, wie sehr die vergleichbaren Filme davor geprägt sind von ihrem männlichen Blick - ohne Kritik oder Vorwurf, immer mit großem Respekt vor deren Leistung. Es ist einfach eine Feststellung, die "She Said" wie nebenbei trifft - und mit dem Film auch der aufmerksame Zuschauer -, während er seinen beiden Heldinnen, gespielt von Zoe Kazan und Carey Mulligan, bei ihrer Arbeit und durch ihr Leben folgt. Auf ihnen liegt der Fokus und auf den Frauen, die misshandelt und missbraucht wurden, und deren Geschichten, nie auf Harvey Weinstein selbst, den man nur einmal sieht, und auch dann nur kurz und von hinten. Obwohl es explizit um diesen Fall geht, um die vielen Jahre, in denen der einstmals mächtigste Mann der Filmindustrie, der Königsmacher bei den Oscars, als Chef von Miramax und später der Weinstein Co. sich wie selbstverständlich das Recht herausnahm, von Frauen - Schauspielerinnen, Angestellte - sexuelle Gefälligkeiten einzufordern, ist der Harvey Weinstein des Films Sinnbild für ein System, für Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt.

Das ist der Rahmen, der den Plot bestimmt und für Dringlichkeit, Druck und Spannung sorgt. Aber es ist nicht der Film, so klug geschrieben von Rebecca Lenkiewicz, die mit "Ungehorsam" vor ein paar Jahren ein starkes Drehbuch verfasst hatte, das eine faszinierende Verwandtschaft mit Maria Schraders großartiger Miniserie "Unorthodox" aufweist, und so besonnen und erwachsen inszeniert von Maria Schrader in ihrer ersten Arbeit seit ihrem gefeierten Lola-Gewinner "Ich bin dein Mensch". Sie lassen Jodi Kantor und Megan Twohey keine klischeehaften Journalistinnen sein, die für ihren Beruf alles opfern, sondern Frauen, die damit kämpfen, Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen, zwei Reporterinnen, die auch Mütter sind, Ehefrauen, die eingebunden sind in ein Leben diesseits ihrer Ermittlungen. Das erdet sie, das erdet den Film. Das macht ihre Arbeit so wichtig, weil "She Said" den Kampf um Wahrheit und das Aufdecken von Machtmissbrauch nicht als hehres Ideal im luftleeren Raum begreift, sondern mit Leben und Alltag füllt. Hierfür wird gekämpft, darum geht es. Dafür bedarf es keiner fancy cameramoves oder stilistischer Mätzchen, alles ist ganz matter of fact, nüchtern, aber nicht klinisch, kein aufgesetztes Feuerwerk muss abgebrannt werden, um zu packen. Der Blick des Films ist neugierig und empathisch und eindeutig weiblich. Wenn die Kamera von Natasha Braier einfach nur einen leeren Hotelgang hinunterblickt, während man originale Audioaufnahmen Weinsteins hört, wie er eine Frau verbal in seine Suite zu drängen versucht, oder Samantha Morton in ihrem einzigen Auftritt im Film, eine regelrechte Masterclass an überragender Schauspielkunst, als ehemalige Miramax-Angestellte bei einem Treffen mit Jodi Kantor in London glasklar darlegt, wie das System Weinstein funktionierte und was daran falsch und krank ist, stellen sich dem Zuschauer die Nackenhaare auf. Die Wirkung ist verheerend. "She Said" verzichtet auf das "He Said": Er hört den Frauen zu, er sieht den Frauen zu, er lässt Frauen erzählen. Für uns alle.

Thomas Schultze.

Quelle: Blickpunkt:Film

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nach oben Film-/Kino-Daten
Verleih Universal
O-Titel She Said
Alternativ-/Arbeitstitel Macht der Wahrheit
Land / Jahr USA 2022
Kategorie Spielfilm
Genre Drama
Kinostart 08.12.2022
Laufzeit 129
FSK ab 12 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
USA-Start 18.11.2022, bei Universal
Boxoffice USA $ 4.349.740
Web-Link https://www.upig.de/micro/she-said
nach oben Cast & Crew
Regie Maria Schrader
Darsteller Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson
nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollFBW-Pressetext:

Seit den 1990er Jahren gehört der Filmproduzent Harvey Weinstein zu den einflussreichsten Playern im Business. Viele Stars wollen mit ihm arbeiten, sich in seinem Glanz sonnen. Und viele Frauen wünschten sich, ihn niemals getroffen zu haben. Denn Weinstein nutzt seine Macht, um Frauen sexuell zu bedrängen und zu missbrauchen. Ein offenes Geheimnis, über das zu viele geschwiegen haben. Bis im Jahr 2017 eine Schauspielerin den Anfang macht und Weinstein anzeigt. Und zwei Journalistinnen der New York Times - Megan Twohey und Jodi Kantor - sich auf die Suche nach weiteren Opfern Weinsteins machen. Um nicht nur einen Mann zur Rechenschaft zu ziehen, sondern ein ganzes System ins Wanken zu bringen.

Der neue Film in der Regie von Maria Schrader (Drehbuch: Rebecca Lenkiewicz) erzählt die Geschichte einer langen Suche nach Gerechtigkeit. Über die gesamten 128 Minuten Lauflänge schaut man atemlos gebannt zu, wie die Hartnäckigkeit und Qualität echter journalistischer Arbeit (hochverdient ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis) dazu führt, dass eine bis dahin unumstößliche Macht zum Einsturz gebracht wird. Dabei ist es für die Macher:innen eine große Herausforderung, die journalistische Tätigkeit, die von Telefonaten, Computersessions und langen Gesprächen mit den Opfern sexueller Gewalt geprägt ist, auch filmisch spannend zu inszenieren. Schrader und ihre Kamerafrau Natasha Braier lassen sich dabei ganz auf das elektrisierend intensive Spiel ihrer großartigen Hauptdarstellerinnen Carey Mulligan und Zoe Kazan ein, die, unterstützt von authentischen Dialogen, in ihren Rollen aufgehen und trotz individuellem Spiel auch glaubhaft verkörpern, dass sie zusammen stärker sind als allein. Zusammen mit den Opfern - allen voran Jennifer Ehle in der Rolle der Laura und Ashley Judd, die sich als Betroffene selbst spielt - bilden diese Frauen wahrhaft Banden. Schrader und Lenkiewicz tauchen einfühlsam in die Geschichten ihrer Figuren ein, auch das Private und Familiäre der Journalistinnen finden ihren Platz, doch wird dies nie in dramatischer Konkurrenz zum Berufsleben gesehen. Die Geschichten der Opfer werden im Detail geschildert und in Flashbacks angedeutet, dabei setzen Regie und Buch nicht auf explizite, schockierende Bilder, sondern auf die eindringliche Wirkung der Schilderungen selbst. SHE SAID bereitet als Journalistendrama die Ereignisse minutiös auf, zeigt ein genaues Gespür für Timing und verpackt die Empathie für die Opfer, denen Twohey und Kantor eine Stimme gegeben haben, nie in überdramatisiertes Pathos. Besser, packender und genauer kann man eine wahre Geschichte nicht fürs Kino erzählen.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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