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Belfast

Bestechendes autobiographisches Drama von Kenneth Branagh, das aus dem Blick eines Achtjährigen von einer Kindheit im Belfast des Jahres 1969 erzählt.

Belfast Großansicht
(Bild: Universal)
Verleih Universal
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Großbritannien 2021
Regie Sir Kenneth Branagh
Darsteller Jamie Dornan, Caitriona Balfe, Ciarán Hinds
Kinostart 24.02.2022

nach oben Ausführliche Besprechung

Bestechendes autobiographisches Drama von Kenneth Branagh, das aus dem Blick eines Achtjährigen von einer Kindheit im Belfast des Jahres 1969 erzählt.

Übermäßig persönlich war es eigentlich nie, das Kino des Iren Kenneth Branagh. Gewiss, seine Shakespeare-Adaptionen kamen von Herzen, sechs Stück an der Zahl. Aber selbst diese liegen 15 Jahre zurück, mussten weichen den professionellen, aber auch gesichtslosen Auftragsarbeiten des letzten Jahrzehnts: Marvel, John Clancy, Agatha Christie, Disney-Märchen, Kinderbestseller, mal mehr erfolgreich, mal weniger. Nun lässt sich formidabel darüber diskutieren, ob er "Belfast" gemacht hat, um sich kreativ wieder freizuschwimmen, oder ob er "Belfast" nur deshalb machen konnte, weil ihn die Hollywood-Großproduktionen Luft holen und allen Mut sammeln ließen. Mut, den man mitbringen muss, wenn man vor einem großen Publikum die eigene Kindheit ausbreiten will, ein "Amarcord" sozusagen oder "Roma". Oder um es noch besser zu treffen: "Belfast" ist Branaghs "Hope and Glory", sein "Sie küssten und sie schlugen ihn", ein unendlich zärtlicher, liebevoller und wehmütiger Film, der eine Liebeserklärung ist an die Heimatstadt, aber vor allem an die eigene Familie und die befreiende Kraft des Kinos und des Theaters.

Es ist ein ganz kleiner Film, festgehalten in bestechendem Schwarzweiß, der sich mehr oder weniger nur in der Wohnung der Familie des achtjährigen Buddy und dem kleinen Straßenzug aufhält, wo mit Ausnahme der protestantischen Familie fast nur Katholiken wohnen - allerdings allesamt auf Augenhöhe, verbunden durch Nachbarschaft und Jahre gemeinsamen Lebens Seite an Seite. Sonst sieht man noch die Schule, das Zuhause der Großeltern und einen Park, in dem Buddy mit seiner besten Freundin Moira spielt und sich von ihr die ach so komplizierte Welt erklären lässt. Wie groß sie sein kann, kann Buddy erahnen, wenn er ins Kino oder Theater geht. Wenn er im Kinosaal Raquel Welch in "Eine Million Jahre vor unserer Zeit" oder Dick Van Dyke in "Tschitti Tschitti Bäng Bäng" erleben darf, dann füllt sich die Leinwand auf einmal in all den prächtigen Farben, die das Leben im Kino übergroß erscheinen lassen: Man ahnt als Zuschauer, dass hier der Samen gesät wird, der Kenneth Branagh als Erwachsener Regisseur werden lässt. Aber "Belfast" ist nicht nur fein erinnerte Details und herzwärmende Momente.

Die Handlung setzt am 15. August 1969 ein, und was gerade noch wildes Kinderspiel mit Holzschwertern und Mülleimerdeckeln als Schutzschilder ist, wandelt sich urplötzlich in eine Kriegszone, als ein protestantischer Mob in die Straße drängt und die dort lebenden Katholiken mit Gewalt und Terror dazu drängt, Belfast zu räumen: Barrikaden und Militär, Kontrollen und über dem Viertel schwebende Hubschrauber sind ständige Begleiter, während Buddys Eltern, gespielt von Caitriona Balfe und Jamie Dornan, überlegen, wie die Zukunft der Familie aussehen soll: Pa ist ohnehin die meiste Zeit in England, um Geld für den Unterhalt aufzubringen. Nun muss eine Entscheidung getroffen werden, ob man die Kinder entwurzeln und das Pulverfass Belfast verlassen soll. "Belfast" ist angefüllt mit intensiven Momenten, untermalt von der Musik von Van Morrison - wenn die Mutter den Mülleimerdeckel nutzt, um ihren Sohn vor herumfliegenden Pflastersteinen zu schützen oder der großartig von Ciarán Hinds gespielte Großvater Lebensweisheiten verbreitet, während er im Plumpsklo sitzt, oder Buddy sich freut, wenn er in der Schule wegen guter Noten weiter nach vorne und damit näher an seine heimliche erste Liebe gesetzt wird. Wie er von Lebensfreude angesichts alltäglicher Bedrohung erzählt, in einer Welt, wie man sie aus den Romanen von Roddy Doyle kennt, lässt einen sofort verstehen, warum dieser Film, der denen gewidmet ist, die geblieben sind, die gegangen sind und die für immer von uns gegangen sind, den Publikumspreis in Toronto gewonnen hat. Und man ihm zutraut, auch bei den Oscars ein Wörtchen mitzureden.

Thomas Schultze.

Quelle: Blickpunkt:Film

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nach oben Film-/Kino-Daten
Verleih Universal
O-Titel Belfast
Land / Jahr Großbritannien 2021
Kategorie Spielfilm
Genre Drama
Kinostart 24.02.2022
Laufzeit 98
USA-Start 12.11.2021, bei Focus Features
nach oben Cast & Crew
Regie Sir Kenneth Branagh
Darsteller Jamie Dornan, Caitriona Balfe, Ciarán Hinds, Dame Judi Dench
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